Langeweile

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21.11.2013

Earnest & Algernon goes fremd

Earnest: Lieber Algernon, liebster, allerliebster Freund in der Not, ich brauche Deine Hilfe. Ich habe nämlich ein Problem: Ich langweile mich. Ich weiß ja nicht, wie es Dir ergeht, aber ich langweile mich so. Ich langweile mich in endlosen Meetings, in Gesprächen, auf Konferenzen, bei Empfängen, bei der Arbeit. Nicht mal ein Gurkensandwich hilft. Bei Podiumsdiskussionen oder wie das jetzt heißt „Panels“ langweile ich mich besonders.  Bei PowerPoint Präsentationen habe ich geradezu Schmerzen. Und das Lesen von diesen neumodischen E-Mail Texten. Langweilig. Nichtsagend. Geradezu überflüssig. Und es wird täglich schlimmer: Ich langweile mich jetzt auch noch mit Menschen! Menschen, die mir immer und immer ihre Probleme schildern und an keiner Lösung interessiert sind. Die mir zu jedem Vorschlag, den ich phantasievoll, ja geradezu geistreich entwickle mit: „Ja, aber“ antworten.  Und denke mir immer: ich gehe jetzt. Aber ich gehe nie. WARUM NICHT ?
Algernon: Aha, Du meinst Du hast BoreOut, nicht BurnOut?? Interessant, interessant. (schaut amüsiert)

Earnest: Du immer mit Deinen modernen Begriffen. Ich habe eine ganz elementare Frage: WIE KOMMT DAS NEUE IN DIE WELT???
Algernon: Aha. Nun ja lieber verehrter Freund, das ist ja nun ganz einfach.

Earnest: Hört, hört. (dreht die Augen zum Himmel und schaut empört)
Algernon: Liebster Earnest: das Neue ist immer schon da. Du musst es nur sehen!

Earnest: Ich fass es nicht. Das Neue ist immer da. Ich muss es nur sehen. Also ist einmal wieder alles ganz leicht! Wenn Du mein wirklicher, mein wahrer Freund  wärest, würdest Du Dich nicht über mich lustig machen. Nicht in einer solch diffizilen Lage. Ich leide!!! (schaut verzweifelt)
Algernon: (lächelt nachsichtig) Ich sage das, weil ich Dein Freund bin. Und ich habe nicht gesagt, dass es leicht ist. Aber ganz einfach!

Earnest: Ein Spaßvogel, sag ich es doch!
Algernon: Und damit nicht genug: Du musst es auch wollen!

Earnest: Was muss ich wollen?
Algernon: Na, ja das Neue, das Andere, die Lösung!

Earnest: Aha, und wie mache ist das, bitte?
Algernon: Versuche doch mal, Lösungen zu (er-)finden, anstatt Probleme zu lösen.

Earnest: Aha, jetzt kommt er wieder, der gute alte Algenon. Sophisticated. Haha. Aber wenigstens langweile ich mich nicht.
Algernon: Siehst Du, da hast Du jetzt ganz alleine Deine Lösung gefunden. Aber nein, Spaß bei Seite. Ich sehe Deine Not und steh´ Dir bei. Wenn Du meinem Rat folgst, brauchst Du Dir nie wieder die Probleme anderer Menschen anzuhören.

Earnest: Aha, sehr gute Lösung. Ich bin dann arbeitslos, aber froh!
Algernon: In gewisser Weise schon. Statt Dich mit Problemen und Lamentieren Anderer zu beschäftigen machst Du Dir einfach schöne Gedanken. Es ist nämlich so: für die Lösung von Problemen, spielt das Problem gar keine Rolle. Die Lösung ist nämlich immer schon da. Wie gesagt. Man muss sie nur sehen.

Earnest: (Schluckt)
Algernon: Genau. Lösungen „ticken“ nämlich ganz anders als Probleme. Probleme sind in Wahrheit versteckte Ziele. Für das Finden und vor allem das Erfinden von Lösungen muss man deren Logik verstehen.

Earnest: Wie bitte?? (verdreht wieder die Augen und murmelt leise: Spinner) Ich muss das Problem gar nicht kennen, um die Lösung zu finden?
Algernon: Genau! Jetzt hast Du es! Die Lösung muss da sein, bevor das Problem bekannt ist.

Earnest: Also sind Lösungen Antworten auf Fragen, die wir (manchmal) nicht stellen können?
Algernon: Genau, mein treuer und lernender Freund! Genau.

Earnest: (Schluckt) Aber Algernon,…
Algernon: Ja, mein Freund.. (schaut wissend und gnädig)

Earnest: Irgendetwas stimmt da nicht.
Algernon: Ach Earnest, Du wirst schon darauf kommen und sicher einen Grund finden, warum Du dein Problem behalten möchtest. Und ich sagte ja: man muss die Lösung nicht nur sehen, sondern auch wollen.

Earnest: Komisch mir geht’s jetzt viel besser. Ich amüsiere mich geradezu bei dem Gedanken, nie wieder über Probleme zu lesen, zu hören. Geradezu fabelhaft und ganz und gar nicht langweilig.
Algernon: Siehst Du mein Freund siehst Du. War doch ganz einfach.

Earnest: Aber nicht leicht. Gar nicht leicht. Und darauf bestehe ich jetzt.
Algernon: Es sei Dir gegönnt, mein Freund. Und wenn es gut ist für Dich, ist es gut für mich.

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Der Boreout besteht aus den Elementen Unterforderung, Desinteresse und Langeweile. Hinzu kommen Verhaltensstrategien, die helfen sollen, bei der Arbeit beschäftigt zu wirken, obwohl dies gar nicht der Fall ist. Personen, die einen Boreout haben, sind mit ihrer Situation am Arbeitsplatz unzufrieden. Paradoxerweise verlängern sie diesen Zustand der Unzufriedenheit mit den erwähnten Strategien, anstatt ihre Situation zu analysieren und Schritte zur Verbesserung einzuleiten. Der Boreout ist nicht das Gleiche wie Faulheit. Wer einen Boreout hat, der möchte arbeiten, sucht Herausforderung und Anerkennung. Vielmehr wird ein vom Boreout Betroffener faul gemacht, etwa weil sein Vorgesetzter ihm keine oder nur langweilige Aufgaben überträgt. Innerhalb einer Arbeitsgruppe können auch gleichzeitig Burnout und Boreout auftreten, denn wenn ein Teil der Gruppe sämtliche Arbeiten für sich beansprucht und sich damit überfordert, fühlen sich die übrigen Gruppenmitglieder unterfordert.

Unterforderung – Des­interesse – Langeweile

Einerseits kann ein Arbeitnehmer quantitativ unterfordert sein: Er bekommt nicht genug Arbeit. Andererseits kann er qualitativ unterfordert sein: In diesem Fall bekommt er nicht genug spannende und herausfordernde Arbeit (wenn er zum Beispiel nur die einfachsten Dinge erledigen darf, also für seine Stelle überqualifiziert ist). Unterforderung beschreibt also das Gefühl, mehr leisten zu können, als von einem gefordert wird.

Beim Desinteresse steht die fehlende Identifikation entweder mit dem Unternehmen oder mit der Branche, in der man tätig ist, im Vordergrund. Man verliert das Interesse an seinen Aufgaben. Die Aufgaben und die Probleme des Unternehmens werden für den Arbeitnehmer völlig irrelevant, sie sind ihm gleichgültig.

Bei der Langeweile geht es um Lustlosigkeit und um einen Zustand der Ratlosigkeit, bis hin zur Verzweiflung, weil man nicht weiß, was man tun soll, weil es nichts zu tun gibt.

Boreoutparadoxon

Wer einen Boreout hat, ist unzufrieden mit seiner Situation am Arbeitsplatz, da er zu wenig leisten kann und keine Anerkennung erhält. Paradoxerweise erhält er diesen Zustand der Unzufriedenheit mit Strategien am Leben, da er mit der Zeit die Energie verliert, um die Situation zu ändern.

Ferner kann Boreout dazu führen, dass der betroffene Arbeitnehmer durch seine Lustlosigkeit und sein Desinteresse die einfachen Aufgaben (die häufig zu Unterforderung und damit dem Problem führen), die er zu tun bekommt, nicht in zufriedenstellendem Maße erfüllt. Daher schließen beispielsweise Vorgesetzte, dass ein Arbeitnehmer, der bereits bei der Erledigung einfacher Tätigkeiten Defizite aufweist, auch nicht in der Lage sein kann, komplexere Aufgaben zu bewältigen. Laut Experten betrifft dies genau jene Arbeitnehmer, die besonders leistungsbereit sind, was höher gestellte Aufgaben betrifft.

(Quelle Wikipedia, Auszug)

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